Wer ich bin - und warum eigentlich nicht? Einer meiner Schauspiellehrer bezeichnete mich als schlechten Witz der Natur, ein  Ausdruck des Zynismus, mit dem das Leben selbst einen auslacht: “Unglaubliches Talent  im falschen Körper.” Ich möchte nicht beurteilen, ob die Natur zu Humor fähig ist, und  wenn ja, ob dieser zynisch wäre. Auch liegt es mir fern, mich selbst als großes Talent zu  bezeichnen, das sollen diejenigen beurteilen, die mich sehen, oder mit mir arbeiten  müssen. Ich selbst fühle mich jedenfalls weder bestraft, noch als Opfer. Im Gegenteil: das Leben war gut zu mir! Ich wurde mit einer Behinderung des linken Arms  geboren und das war das erste Geschenk. Denn normalerweise bedeutet eine Rötel-  Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft etwas anderes. Nämlich geistige  Behinderung, Blindheit, Taubheit und so weiter. So betrachtet bin ich also gerade noch mal davon gekommen.  Warum wird man Schauspieler, wenn man einen merkwürdigen Arm hat? Weil man  nicht anders kann. Ehrlich: ich habe versucht einen anderen Beruf zu ergreifen und ich  war nicht einmal schlecht darin. Zuerst studierte ich Lehramt fürs Gymnasium mit den  Fächern Deutsch und Französisch. Doch die Aussicht, dass meine Kommilitonen später  einmal meine Kollegen sein könnten, mit denen ich mich täglich abgeben muss, fand ich  nicht gerade prickelnd. Nichts gegen Lehrer, aber meine Mitstudenten waren schon  Spießer, bevor sie ihre Jugend richtig ausgelebt hatten - was sollte da noch nachkommen?  Dann versuchte ich es mit Diplom-Geographie - ein herrlicher Studiengang, vielleicht das  letzte echte Universalstudium. Doch mitten im Vordiplom schlich sich ein Gedanke in mein  Bewusstsein: ich werde mich später dafür verachten, nicht wenigstens versucht zu haben, meine Leidenschaft, mein Talent zum Beruf zu machen. Also bewarb ich mich bei vielen  Schulen zur Aufnahmeprüfung und begann mich vorzubereiten. Mir gelang etwas, das  äußerst selten ist: die erste Aufnahmeprüfung war erfolgreich! Drei quälende Runden  überstand ich und war in dieser Prüfungsrunde einer von drei, die aus ca. 90-100  Bewerbern für talentiert genug befunden wurden. Was dann kam, war eine süße Hölle,  aber ich war endlich da, wo ich sein wollte und ich genoss es. Natürlich war nicht alles toll, aber ich biss mich durch, schluckte vieles einfach runter und lernte, lernte, lernte ... und  das tue ich noch immer, denn als Schauspieler lernt man ein Leben lang.  Heute arbeite ich im Theater “Sommerhaus” in Sommerhausen am Main unter der  Leitung von Biggi Obermeier, was durchaus eine gewisse Ironie in sich trägt. Denn vor  vielen Jahren, als ich noch auf Laienbühnen spielte, sah ich sie und ihren Partner Hannes  Hirth auf der Bühne und war schlichtweg begeistert von der Klasse, der Klarheit und der  Kraft, welch die beiden auf die Bühne brachten. Das wollte ich auch können - und jetzt  spiele ich mit Biggi in mittlerweile vier Zwei-Personen-Stücken. Schön.